Unter diesem Link sind alle Fotos des Festivals von Paul Schkade zu finden:
http://www.flickr.com/photos/dyrden/collections/
http://www.paulschkade.net/outnow2011/
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Dreileben
Feedback von Jochen Burger
Obwohl man die drei kurz vor dem Tod stehenden Menschen, um die es eigentlich geht, nicht kennt, wurde ich durch das Theaterstück sehr nah an diese heran getragen. Ob dies gewollt oder ungewollt, richtig oder falsch ist, sei dahin gestellt. Wichtig und durchdringend war für mich, einen tiefen Einblick in diese Menschen zu bekommen – und gleichzeitig in das Selbst der Schauspieler. So waren die Schauspieler eigentlich keine Schauspieler, sie schienen sie selbst zu sein. Sie erzählten von sich und gleichzeitig von anderen, sie spielten sich selbst und gleichzeitig andere und es ging um sie und gleichzeitig um andere. Die Grenzen verschwommen zwischen Rolle und dem Selbst der Schauspieler. Um wen geht es in diesem Stück?Das Leid der dem Tod Nahen?Die Verzweifelte Suche und die Angst vor und nach dem Tod, sowohl von alten als auch von jungen Menschen?Um die reale Welt der Schauspieler?Um „die“?Oder gar um „uns“?Ich denke, sowohl als auch.
Die Grenzen zwischen Nähe und die Distanz des Zuschauers zum Stück, zur realen Welt, zum Tod und die Grenze zwischen Nähe und die Distanz der Schauspieler zu den dem Tod geweihten Menschen wird aufgelöst durch die Einfachheit des Bühnenbilds, die gut und dezent eingeführten audio-visuellen Effekte, die Darstellung der Schauspieler als sich selbst und die Nacherzählung ihrer erlebten Eindrücke von diesem sehr eindrucksvollem Experiment.
Alles in allem ein sehr gelungenes und außergewöhnliches Stück zum Thema Tod, welches mit einfachen Mitteln die konventionelle Art und Weise den Tod zu behandeln aufbricht. Vielen Dank dafür!
DREILEBEN
Feedback von Natalie Maier
Es werden 3 Leben erzählt, 3 Leben von Menschen deren Leben (fast) schon gelebt sind.
Erzählt von den 3 Darstellenden die den Lebenden der 3 Leben in der letzten Zeit nah waren, zugehört haben, Fragen gestellt haben und einfach bei Ihnen waren.
Doch es werden nicht nur 3 Leben erzählt, es werden Menschen vorgestellt, Menschen die gelernt haben mit Ihrer Krankheit umzugehen, Menschen die Menschen hatten, Menschen die geliebt haben, Menschen die wissen, dass sie bald sterben werden, Menschen die gezwungen wurden, über den Tod und das Sterben nach zu denken, Menschen die damit umzugehen haben, dass sie sterben.
Und vor allem, Menschen die gelebt haben.
Diese Leben weitergegeben, durch pure Erzählung und wortlose Gesten, durch Stille und einfache Blicke und technischen Hilfsmittel.
Ganz minimalistisch gehalten und doch großer Effekt und 10 mal mehr berührt.
Berührt nicht nur von den 3 Geschichten, sondern von den Menschen, die vor mir standen, mag man Schauspieler sagen, aber für mich waren es in dem Moment keine, sie hatten keine Rolle angenommen oder angezogen, sie haben sich gezeigt, mit Ihre Ängsten und Schwächen und ihren Empfindungen. Keine Rolle, die sie ablegen können, denn diese Erfahrung ist in den 3 Darstellern drin, sie hat sich eingenistet und wird auch nicht mehr gehen, vielleicht erst dann, wenn sie sterben.
Thema des ganzen Abend war Tod und Sterben und doch hat man gleichzeitig das neue Leben im Bauch gesehen.
Und da hab ich gedacht, so ist irgendwie der Kreislauf, es hört ein Leben auf und wo anders fängt eins an.
Anfang geht nicht ohne Ende und Ende nicht ohne Anfang.
The KLUBS
Feedback von Thomas Büdel
The KLUBS stehen als finaler Abschlussakt des OUTNOW Festivals 2011 auf und im Programm, beschrieben als „tighte“ Indierockband, womit wohl dufte oder spitze gemeint ist. „Na tolle Wurst! Eine weitere neue, als dufte titulierte Band, die auf der Indie-Welle mitreiten möchte“, denke ich unweigerlich. Meiner Meinung nach befindet sich diese Indie-Welle in einem Flachmeer ähnlich der Nordsee, in dem Sturmfluten neuer Bands den Plattenmarkt überschwemmen, andererseits jedoch eine ungeheure Qualitätsebbe herrscht, bei der selbst unsre schöne Nordsee große Augen machen würde. Jedoch kann die Nordsee weder sehen noch hören, weshalb sie wohl auch den Auftritt der vier Syker Nachwuchskünstler verpasst hat, was wiederum zu einem nicht ganz gefüllten Konzertraum führte. Davon ließen sich die KLUBS aber nicht den Spass an der Sache nehmen. Mit vollem Einsatz schmetterten sie ihre mit zwei Gitarren, Bass, Keyboard, Schlagzeug und einiger weiterer elektronischer Zauberkästen, kurz Synthies, erzeugten Klang- und Gesangwellen in die Ohrmuscheln der Zuhörer. Die Einflüsse sind dabei unverkennbar. Automatisch kreisen meine Gedanken um die Foals, selbst Bilder der Kings of Leon schwirren bei einer kleinen Akkordabfolge der E-Gitarre durch meinen Kopf. Bei dieser einen kleinen Akkordabfolge bleibt es dann zum Glück aber auch, weshalb auch nie der Eindruck eines billigen Abklatschs entsteht. Mit dem Versprechen des Publikums, nun wie ein Zyklon der übers Meer fegt, in der Schwankhalle zu tanzen, wird als Zugabe einfach der Song, der uns am besten gefallen hat, nochmal zum Besten gegeben. Treiben The KLUBS nun im Flachmeer wie so viele andere Indierockbands oder steuern sie Richtung Schelfkante, bereit für den Sprung in den großen Teich? Die nächste Indie-Flut wird’s zeigen.
Nele Jahnke
“Geschlossene Gesellschaft” nach Jean-Paul Satre
Feedback von Teja-A. Gothe
Die Hölle, das sind die anderen:
In der Bremer Schwankhalle wurde im Rahmen des outnow! Festivals von der Züricher Regiestudentin Nele Jahnke Satres Klassiker „Geschlossene Gesellschaft“ neu interpretiert. Zwei Frauen und ein Mann, die sich nach ihrem Tode in der (Vor?-) hölle begegnen und ihr Leben voreinander ausbreiten: Auf den ersten Blick scheint unklar, warum sie hier sind; doch im Angesicht der Anderen zeigt sich, dass in jedem etwas anderes steckt, als er zu sein vorgibt. Doch wer bestimmt was man ist? Sind es die anderen – ein in Zeiten der medialen Vernetzung und Selbstinszenierung immer wieder behauptetes Faktum. Oder stellt man sich nicht auch freiwillig zur Schau? Und was wird überhaupt zur Schau getragen? Der Körper, die Seele oder das Ideal? Ein Dilemma, dass von den drei Schauspielern in der Ausweglosigkeit und der Abhängigkeit stimmig präsentiert wird.
And 10 Times More
Feedback von Silke Bangert und Angelika Bartl
Wir betraten den Theatersaal durch den Notausgang und sahen einen dunklen Raum, in dem am Fußboden ein weißes Feld ausgelegt war. Am Rand des Feldes befanden sich drei TänzerInnenpaare, die minimale, monotone Bewegungsfiguren bildeten, bei denen es zunächst so schien, als würde die eine Person die andere anstoßen, was zunehmend von dem Eindruck abgelöst wurde, dass beide Personen aktiv beteiligt sind. Im Hin und Her der Bewegungen wurden die TänzerInnenpaare zu Figuren, die an den Kontext des Sports erinnern, an Situationen vor dem Wettkampf, in denen die Muskeln der SportlerInnen aufgewärmt oder gelockert werden. Dieser Eindruck wird durch die Kleidung der TänzerInnen verstärkt, die neben sportlichen Hosen zum Teil auch seltsam genähte Jacken trugen, in denen Stoffteile mit den typischen drei Adidas-Streifen eingenäht waren.
Bereits diese erste Einstellung verweist auf das Thema des Tanzstücks: die Untersuchung von Gesten, Bewegungen und Bewegungsabläufen aus dem Sportkontext bzw. – wie mit zunehmendem Verlauf des Stücks deutlich wird – aus dem Kontext des Fußballsports. Dabei handelt es sich nicht nur um Bewegungen des Fußballspiels selbst , sondern sogar vorwiegend um Abläufe, die am Rand oder Außerhalb des Spiels stattfinden, oder den Spielfluss unterbrechen. Immer wiederkehrende Elemente waren etwa das Schneuzen und Spucken der Spieler, verknüpft mit einem typischen Drehen des Kopfes, die ausladenden Gesten zu Mitspielern und zum Publikum, das gegenseitige Abklatschen nach einem gelungenen Coup, die Unterbrechung des Spiels nach einem Foul und die daran geknüpften Aktivitäten der umstehenden Spieler. Das genaue Studium der Bewegungen wurde dabei durch Wiederholungen, durch das Stoppen und Rückwärts-laufen-lassen von kurzen Sequenzen vorgeführt, die das Medium Video als Mittel zur detailgenauen Beobachtung auf der Bühne präsent werden ließen.
Mit zunehmender Dauer des Tanzstücks gewann das imaginäre Spiel an Dramatik: Die Bewegungen wurden schneller, das Licht heller und der Ton, der aus den verzögerten Geräuschen der SpielerInnen gewonnen wurde, lauter. Der Tanz schien zunehmend selbst zum Fußballspiel zu werden; es wurde deutlich, dass die getanzten Bewegungen nicht nur einen anderen Kontext imitierten, sondern es tatsächlich die gleichen Bewegungen wie im Fußball waren – verbunden mit realer, körperlicher Anstrengung. Tanz und Fußball verschmolzen im gemeinsamen Horizont sportlicher Höchstleistung. Die Dramatik des Spiels fand dabei allerdings keinen Höhepunkt, sondern verlor sich in monotonen Wellen von Schnelligkeit und Richtungsänderungen, bevor das Stück unvermittelt ins Dunkel ausgeblendet wurde. Ohne markierten Anfang und Ende verwies das Tanzstück dabei auf die Kontinuitäten der Bewegungsmuster des Sports, die nicht mit dem An- und Abpfiff des Spiels an- bzw. ausgeschaltet werden können.
Die tänzerische Untersuchung von Fußball-Gesten und -Bewegungen erschien uns vor allem an jenen Stellen überzeugend, an denen sie nicht ins Persiflage-artige abglitt, sondern die vielfältigen Verknüpfungen und Ähnlichkeiten mit dem Tanz deutlich machte: die ästhetischen, poetischen Qualitäten im Fußball und das Sportliche, Leistungsorientierte im Tanz. Auch in den gelungenen Kostümen der TänzerInnen war dieses Moment zu finden: in den groben Vernähungen von klassischen Jackenschnitten mit den mittlerweile zum Zeichen jugendlichen Modebewusstseins gewordenen Adidas-Streifen.
AND 10 TIMES MORE
Bodhi Project/Zoe Knights
Feedback von Lene Faust
Im schwach beleuchteten Raum, in dem die Dunkelheit den weißen Untergrund dominiert, drei Tanzpaare, ineinander verhakt – monoton rhythmisch präzise sich bewegend und kommunizierend. Ein fesselndes Bild, dort auf der Bühne, das in sich geschlossen wirkt und doch die Details betont, ein Bewegungsnetz voller Vielfalt und ungelöster, aber doch aufeinander abgestimmter Knoten. Ein Hauch von Spannung, gleich der Ruhe vor dem Sturm weht durch den Saal und schürt Ahnungen und Vermutungen. Dann: leise Veränderungen – ein Duo löst sich aus dem Standbild, kreiert neue Bewegungen, läuft zu großer Form auf, sprengt den Rahmen, die anderen folgen. Wunderbare Bilder, die sich dem Gedächtnis einprägen.
Doch dann beginnt der Sport oder auch das Ende der filigranen, ästhetisch ausgeformten Bewegungsbilder. Typische Fußballergesten wie Ausspucken, Schweißabwischen, Drohgebärden und kampfeslustige Gestik, die durch sportive Männlichkeit überzeugen will, dominieren das Spielfeld. Pure, schnelle Bewegungen und immer wieder der Fokus auf den imaginären Ball, endlich ist das Geheimnis gelüftet: es geht um Sport, ja, DEN Sport schlechthin, welcher in regelmäßigen Abständen unsere nationalen Gemüter erhitzt und uns so sehr parteiisch werden lässt. Nur dass in diesem Falle keine Parteilichkeit möglich ist – keine Mannschaften, keine Trikots, keine Tore, keine Schiedsrichter, keine Halbzeit, keine gelben Karten. Nur der O-Ton aus einem tobenden Stadion von Zeit zu Zeit bleibt vom Fußball in der richtigen Welt übrig.
Es überwiegen Aktionen der gesamten Mannschaft, die sich sehr häufig wiederholen, Zweikämpfe beleben eher sekundär das Spielbild. Wie im echten Fußball ist dieser Sport harte Arbeit für die Spieler, sie rennen und laufen und lassen dabei eine optimale Kondition erkennen.
Der Zuschauer fiebert schließlich einem Finale – dem Spielende entgegen, einem tosenden Applaus vielleicht, einer theatralisch siegessicher geschmetterten Hymne oder der Entlarvung des Fussballerdaseins als solches – aber er fiebert vergebens. Auch ein Arrangement, so ästhetisch anrührend wie das erste ‚Bild’ des Stückes kehrt trotz dem verwendeten Konzept der Wiederholungen nicht wieder. Mühevoll fische ich es aus einem Wust von Beinen, Armen und gewaltigen Bewegungsabläufen hervor – etwas zerknittert harrt es dort meiner Aufmerksamkeit in den Falten der Erinnerung. Auf dem Bühnenspielfeld ist mir die Lust auf Fußball ohne Fußballer abhanden gekommenen, vielleicht habe ich sie in einem unbedachten Moment inmitten des anschwellenden Stadionjubels verloren.
Trotz beeindruckender sportlicher Leistung bleibt, wie nach jedem Spiel, die Frage nach verpassten Möglichkeiten und Torchancen. Die detailgetreue und für sich auch überzeugende Übertragung eines Fußballfeldes auf die Maße einer Tanzbühne war hier Programm – nicht nur Zinédine Zidane wäre wohl stolz gewesen, sich selbst in der Bremer Schwankhalle bewundern zu können, ohne Zweifel. Und doch: auch der vermehrte Einsatz des ‚tänzerischen’ Repertoires der Kompanie hätte Zidane bestimmt nicht brüskiert, im Gegenteil – vielleicht hätte er in Zukunft seine nunmehr privaten Bälle noch eleganter und tänzerischer übers Spielfeld gekickt.
Feedback: WAGs
Dass ich mir aus dem ganzen Festivalprogramm gerade WAGs angesehen habe, ist eher dem Zufall geschuldet, da ich nur dann Zeit hatte. Der Ankündigungstext verursachte bei mir ein eher ambivalentes Gefühl: Fußballerfrauen. Hmmm, da gab es thematisch Spannenderes im Angebot. Bilder von Victoria Beckham und eigenen Erfahrungen als Provinz-Fußball-WAG - Saufgelage, blondierte Haare, lackierte Fingernägel und Frauen, die am Fußballfeld Prosecco trinken – begleiteten mich zum Filmbeginn.
Solche Wiedererkennungsmomente kommen in WAG zwar vor, alles in allem hat der Film für mich aber doch erfreulich wenig mit Fußball zu tun. Es geht viel mehr um zwei Frauen, deren Beziehung zueinander und zu ihren Männern. Von beiden bekommt man eigentlich wenig zu sehen, kriegt aber doch ein Gespür dafür, wie sie so „sind“: gleiche momentane Lebenslage, aber doch sehr gegensätzlich inszeniert: naives Blondchen und dunkelhaarige, exzentrische Grüblerin mit Tiefgang, die ihre eigenen Unzufriedenheit in dieser Situation auf die Jüngere projiziert – auf deren „Seite“ ich mich fast automatisch schlage.
Der Aspekt des Daseins als Spielerfrau weicht etwas Allgemeinerem: welche Beziehung will frau führen bzw. welche Rolle darin einnehmen? Worauf zugunsten der Zweisamkeit verzichten? Und ob es überhaupt ein Verzicht ist oder eher ein Sich-für-Etwas entscheiden?
Die kurzen Einblicke in die Beziehungen der Frauen überraschen nicht, sondern lassen eher denken „ja, genau, so ist es doch“. Es ist also nicht wirklich etwas Neues, was der Film mir zeigt, sondern die Reproduktion der WAG-Anteile in einem selber.
Trotzdem, oder gerade deswegen, hab ich mir den Film gerne angesehen, was zum Großteil auch an den beiden Schauspielerinnen liegt.
Evi Goldbrunner & Joachim Dollhopf [Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam]
WAGs – WIVES AND GIRLFRIENDS
Bereits die ersten Augenblicke sind auf eine verwirrende Art betörend und dieses Gefühl zieht sich durch den gesamten Film. Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf fangen sowohl eine erdrückende Einsamkeit wie auch die zart aufkeimende Freundschaft zweier Fußballerfrauen in wunderschönen Bildern ein. Das Ziel keinen stereotypischen, clichée-behafteten Film über Fußballerfrauen und -freundinnen zu gestalten und dem Zuschauer im ersten Moment nicht das abzuliefern, was er oder sie in solch einem Kontext erwartet, wurde größtenteils erfüllt.
Die beiden Hauptdarstellerinnen, Vesela Kazakova und Sonja Gerhardt spielen diese Rolle mit einem unglaublichen Gefühl und einer ergreifenden Authentizität. Die auf einer psychologisch und emotionalen Ebene exzellent ausgearbeiteten Charaktere nehmen uns mit auf eine Reise, von der niemand weiß, wo sie enden wird. Die Widersprüche, inneren Konflikte und auch Gemeinsamkeiten der beiden Frauen werden in den Dialogen wie auch wortlos in künstlerischen Bildern eingefangen
Ein wunderschöner Film, der berührt und zwei unglaublich emotionale Hauptdarstellerinnen, die in eine andere Welt entführen. Gleichzeitig liefert der Film den Raum, sich selbst zu reflektieren und seinen Platz in den Wirrungen der Welt zu finden. Zwar könnte man einwenden, dass provokative Momente oder Spitzen fehlen. Ob diese den Film besser gemacht hätten oder einfach nur den emotionalen, zarten Aufbau des Films gestört hätten, bleibt allerdings fraglich.
Two rooms and a monkey
Feedback von Lene Faust
UM WAS ES GEHT WEIß ICH NICHT, MAN HAT ES MIR NICHT MITGETEILT, ICH KENNE LEDIGLICH DEN TITEL, IRGENDWAS MIT „DAS ENDE DER WELT“, SONST NICHTS
Wahrscheinlich sollte der lange Titel der Theater-Installation den Zuschauer bereits vor Beginn der Performance derart verwirren, dass er beim Betreten des Saales klaglos die Prozedur des Nummeriert- und Fotografiert-Werdens über sich ergehen lasse?
Stehend an den Seiten des verdunkelten Raumes aufgereiht harrten die TeilnehmerInnen nun ihres Schicksals, das sich in Form von mehreren Schauspielern in Büro-Outfits zu erkennen gab, die sich aus der Masse der Zuschauer herauslösten. Anstatt eines Bühnenbildes dominierte die für alle sichtbare Installation technischer Geräte den Raum, vor allem eine überlebensgroße Leinwand, auf die während der Performance Computergrafiken projiziert wurden, stellte ein für allemal sicher, zu welchem Thema hier performt und installiert werden würde.
Eine monotone Ansage aus dem Lautsprecher erklärte dann die Spielregeln: Ziel sollte das Erreichen des ‚Endes der Welt’ sein, zuvor sollten möglichst viele Daten gesammelt werden, um die unterschiedlichsten Qualitäten der TeilnehmerInnen auswerten und beurteilen zu können. Im Zeitalter von Facebook, Internetplattformen, Meinungsumfragen & Co ging es also um den Prozess des hemmungslosen Datensammelns und die Frage nach der dabei übrig bleibenden Subjektivität.
Assoziative Wortspiele sowie das Beantworten persönlicher und allgemeiner Fragen in willkürlich zusammen gewürfelten Grüppchen unter der Leitung der anwesenden Bürokleidungsträger wurden zum Bewährungstest für die Anwesenden. Spitzfindige Fragen (Wie viele Sexualpartner haben Sie gerade?) sollten dabei anscheinend die Belastbarkeit der TeilnehmerInnen testen. Die Funktion eines japanischen Darstellers, der entweder am Schreibtisch saß und Berechnungen anstellte, oder ahnungslose TeilnehmerInnen in seiner Sprache dem Unverständlichen in der zwischenmenschlichen Kommunikation aussetzte, konnte nicht abschließend geklärt werden.
Nur wenige Glückliche gewannen die Challenge und konnten sich ans ‚Ende der Welt’ retten, die sich hinter einem gigantischen Plastikvorhang verbarg und Gelegenheit bot, sich dort zwischen plastenen Segeln entspannt niederzulassen.
Leider wurde nicht ganz klar, zu welchem Zwecke die Daten gesammelt und auf welche Art sie ausgewertet worden waren – und so fristete das Publikum zu den sanften Klängen der monotonen Computerstimme das Ende des Stückes, von den Schauspielern verlassen, allein gelassen mit der Technik im schwach beleuchteten Saal.
Fragen über Fragen bleiben zurück nach diesem Abend und ergeben doch kein ganzes Bild. Eine sicherlich sehr gute Idee – nämlich die Thematisierung der zunehmenden Technisierung und Medialisierung unserer Welt, die immer mehr auf Internetplattformen stattfindet und in der Challenges versuchen, Künstlerkarrieren zu ersetzen – schien sich heute in ihrer Ausführung selbst zu verlieren. Vielleicht aber war all dies Programm und Teil des Konzeptes?
Hochachtungsvoll, ein höchst unverständiger Zuschauer.